Australien-Praktikum 1: Willkommen in Australien!

Submitted by Andreas Link on Mi, 08/10/2011 - 15:14

Freundlicher Empfang am Flughafen – eine künftige Kollegin holte mich am Canberra Airport ab und nahm mich sogleich mit zur ihrer Zweigstelle, der Civic Library im australischen Canberra, sodass ich mir einen ersten Eindruck verschaffen konnte, bevor mein Praktikum eine Woche später offiziell starten sollte. Und wie die Australier so schön sagen: IT’S AMAZING! (Es ist fantastisch!)

Doch wie kam es überhaupt dazu, dass ich ein Praktikum in Australien bekam?
Gehen wir ein paar Wochen zurück. Ich kontaktierte eine Kollegin im Berufsverband Information Bibliothek e.V. , welche bereits ein erfolgreiches Austauschprogramm mit dem US-Amerikanischen Berufsverband ALA (das Programm nennt sich BIB-Exchange http://www.bib-info.de/verband/der-bib-und-die-welt/bib-exchange.html ) etabliert hat. Ich hatte sie bereits einige Zeit zuvor auf die Thematik angesprochen, wobei sie mir bereits ihre Unterstützung zusagte. Doch muss man sich für einen Auslandsaufenthalt von mindestens drei Monaten auch zunächst Finanzierungsmöglichkeiten schaffen.

Meine liebe Berufsverbandskollegin ihrerseits kontaktierte wiederum den australischen Berufsverband und sandte meine Bewerbungsunterlagen gleich mit. Dazu gehörten neben den BIB-Exchange-Daten (Name, Adresse, Motivationsschreiben, etc.) natürlich auch ein Lebenslauf und die in Australien sehr begehrten Empfehlungsschreiben (aktuell ist man dort daran mehr interessiert, denn an Schul- oder sonstigen Arbeitszeugnissen).

Die Antwort

Einige Tage später erreichte mich die Antwort vom australischen Berufsverband: Unglücklicherweise könnten sie mir kein Praktikum anbieten, aber sie leiten meine Bewerbung gerne an entsprechende Listen weiter.
Das klang für mich zunächst wenig aussichtsreif und innerlich schloss ich schon langsam mit dem Thema Australien ab. Dann Montagmorgens auf dem Weg zur Hochschule, schaltete ich mein BlackBerry ein und schon rasselte das Angebote in mein E-Mail-Postfach:

Ein Praktikum beim "Libraries ACT Service" in der australischen Hauptstadt Canberra!

Nachdem ich mir die Website und einige Informationen über Bibliothekssystem, Ort und die dortigen Lebenshaltungskosten (welche von Stadt zu Stadt variieren können) eingeholt hatte, schrieb ich die Zusage (natürlich nicht ohne sie nochmal von einem guten Freund mit ausgezeichneten Englischkenntnissen überfliegen zu lassen!) und bedankte mich natürlich auch gleich im Anschluss bei den beteiligten Berufsverbänden.

Vorbereitungen

Nun waren einige Dinge zu erledigen bzw. zu überprüfen, welche ich jedem, der auch ein Auslandspraktikum angehen will, als Tipp mitgeben möchte:

  1. Finanzierung und ortsabhängige Lebenshaltungskosten
  2. Gültigkeit des Reisepasses; ggf. neuen anfertigen lassen, aber nicht vergessen, dass das einige Zeit dauert und man ein biometrisches Foto benötigt!
  3. Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung (bei mir reichte ein "Work and Travel"-Visum, welches auch innerhalb weniger Stunden bestätigt war)
  4. Versicherung (Kranken-, aber auch die Haftpflicht nicht vergessen!!)
  5. Flugtickets und sich vorher oder währenddessen darüber klar werden, wozu man die Reise noch nutzen kann (bsp. Urlaub oder Tourismusangebote)
  6. Flexible Unterkunft, sodass man auch ein paar Tage früher anreisen kann. Ggf. kann man auf ein kostengünstiges Hostel zurückgreifen oder bei Freunden bleiben, auch wenn man ein paar Tage länger bleibt, dabei jedoch die maximale Visumsdauer nicht aus den Augen lassen.
    • Erkundigen welche Freunde schon einmal dort waren, Erfahrungen einholen und ggf. Kontakte vermitteln lassen
  7. Was darf in das Land und bei etwaigen (mehrtätigen) Zwischenstopps – ich hatte dafür Singapur gewählt – importiert werden? Am Besten schaut man auch auf der Website des Auswärtigen Amtes nach http://www.auswaertiges-amt.de
  • Gastgeschenke nicht vergessen! Postkarten, Bilder der eigenen Bibliothek, ein Deutschland-Bildband, aber auch Klischees dürfen meist gerne erfüllt werden (bsp. ein bayerischer Bierkrug oder eine deutsche Kuckucksuhr)
  • Man sollte sich auf die dortigen Arbeitsbedingungen vorbereiten
    • australisches Arbeitsrecht unterscheidet sich vom deutschen
    • den dortigen Dresscode in Erfahrung bringen und sofern erforderlich, eine Uniform besorgen. Gut ist dabei auch die explizite Frage nach der Art der Schuhe (Sneakers, Halbschuhe) und ob Schmuck, wie Ringe und Halsketten zu tragen überhaupt erlaubt ist. (Ich wurde hier mit einem mehrseitigen Dresscode speziell für den Libraries ACT Service überrascht.)

Es geht los!

Nur wenige Wochen danach stehe ich vor meinem ersten Arbeitstag beim Libraries ACT Service:

Zunächst ein paar Fakten: Öffentliches Bibliothekssystem, welches dem staatlichen ACT-Government (Regierung des Australischen Haupstadtterritoriums) untersteht. Neun Zweigstellen, zwei mobile Bibliotheken und die ACT Heritage Library (entspricht einer Landesbibliothek). Ca. 2,5 Millionen physische Entleihungen jährlich. Canberra (ACT) hat über 350.00 Einwohner – mehr als 200.000 davon nutzen den Libraries ACT Service und seine Angebote! (Vor kurzem wurde dies auch in einem Nachrichtenbeitrag im australischen Fernsehen aufgezeigt: "Buchhandlungen schließen, Buchclubs und Bibliotheken boomen" http://www.abc.net.au/news/2011-07-29/book-love/2816942 )

Meine erste Bibliothek, die zentral gelegene Civic Library, ist beeindruckend. Moderne Architektur: Flexible Raumaufteilungen lassen die Ausstellungsfläche mit wohnlichen Sitzgelegenheiten auf der Gallerie zu einer eigenständige Räumlichkeit mit Sanitäreinrichtungen werden. RFID-Chips und Selbstverbuchungsterminals sind beim Libraries ACT Service der technologische Standard. Heute lerne ich überwiegend die regulären Aufgaben, wie Vorbestellungen, Rücknahme, etc. und natürlich Information-Desk-Aufgaben kennen.

Bereits am nächsten Tag starte ich in der zweitgrößten Zweigstelle, welche gleich drei Bibliotheken vereint. Die Woden Library als Zweigstelle des Libraries ACT Service, sowie die Heritage Library, welche Materialien aus und über Canberra sowohl in physischer als auch in großen Mengen in elektronischer Form zur Verfügung stellt, und die Mobile Library mit zwei Fahrzeugen. Zusätzlich befindet sich auch das physische Angebot des "ArchivesACT in the Territory Records Office" ( http://www.archives.act.gov.au/ ) im Bibliotheksgebäude.

Der Besucheransturm ist beeindruckend. Ebenso die vielfältigen Angebote, welche durch die Personalentlastung durch RFID und Selbstverbuchung, möglich werden. Die regulären Aufgaben werden mir als Nebentätigkeit zugewiesen. In den ersten Tagen soll ich das Projekt, die "German Collection" nach medientheoretischen Aspekten zu überarbeiten und anhand dessen auch Neuanschaffungsvorschläge zu entwickeln, abschließen. Eine gute und wichtige Sammlung, denn über vier Prozent der Australischen Bevölkerung stammen in erster Generation aus Deutschland.

Auch bekomme ich die Gelegenheit einen ersten Blick auf einen der beiden Transporter der Mobile Library zu werfen. Mit ausfahrbarem Innenteil ("Pod"), Treppe und Lift wird eine barrierefreie Umgebung geboten. Ausgestattet mit Echtzeitanbindung an das Bibliothekssystem, sowie einem Internetplatz und ca. 2.500 Medieneinheiten zeigt sich das moderne Bild einer mobilen Bibliothek.

Daneben besuche ich auch die kleinste Zweigstelle in Kingston. Wurde die Filiale zunächst geschlossen und ihre Aufgaben auf zwei anderen Bibliotheken verteilt, musste sie aufgrund von zahlreichen Einsprüchen und sogar Demonstrationen der Bürger wiedereröffnet werden. Nun befindet sie sich seit knapp anderthalb Jahren in einem ehemaligen Restaurant, ist technologisch gut ausgestattet, modern eingerichtet und ebenfalls gut besucht.

Auch die zentrale Verwaltung im MacArthur House habe ich bereits besucht und konnte mich mit den dortigen Mitarbeitern über Interessantes austauschen und ausgezeichnete Einblicke in einige Zukunftskonzepte gewinnen.

In diesen ersten anderthalb Wochen konnte ich bereits eine Menge neuer Erkenntnisse und Erfahrungen nicht nur gewinnen, sondern durch die Aufgeschlossenheit und das australische Interesse an der Arbeitsweise von Bibliotheken in Deutschland, auch mit einbringen und weitervermitteln. Noch fast drei spannende Monate stehen mir in diesem Praktikum bevor und ich muss sagen: I’m looking forward, because IT’S AMAZING!

Bis zum nächsten Mal,
Ihr / Euer Andreas Link